Expertin Cornelia Trentzsch, Geschäftsführerin des Fairsicherungsbüros Dresden gibt Tipps.


Cornelia Trentzsch

„Eine Risikolebensversicherung ist ein finanzieller Schutzschirm, den Alleinerziehende ohne Vermögen unbedingt aufspannen sollten“ (Cornelia Trentzsch, Geschäftsführerin des Fairsicherungsbüros Dresden)

Wie hilft die Risikolebensversicherung Alleinerziehenden bei der Absicherung Ihrer Kinder?

Cornelia Trentzsch: Eine Risikolebensversicherung übernimmt die finanzielle Versorgung der Kinder nach dem eigenen Tod. Die Kinder erhalten nach dem Tod eine vorab vertraglich vereinbarte Versicherungssumme, die in der Regel die Zeit bis zum eigenen Einkommen nach der Ausbildung überbrückt. Die Kinder müssen sich keine Sorgen um Ausbildungskosten und Lebenshaltungskosten machen. Ist die Versicherungssumme hoch genug gewählt, lassen sich damit zudem offene Kredite abbezahlen, die der Alleinerziehende zu Lebzeiten für eine Eigentumswohnung oder ein Auto aufgenommen hat. Eine Risikolebensversicherung ist also ein finanzieller Schutzschirm, den Alleinerziehende ohne nennenswertes Vermögen unbedingt aufspannen sollten.

Für viele Alleinerziehende ist das Thema Risikolebensversicherung ein Buch mit sieben Siegeln. Was müssen sie vor dem Abschluss beachten?

Cornelia Trentzsch: Wichtig ist, vor Abschluss des Vertrages die Frage der Vormundschaft zu regeln. Denn Viele wissen nicht: Ohne Sorgerechtsverfügung geht das Sorgerecht nicht automatisch an Taufpaten oder nahe Verwandte über, sondern an das Jugendamt. Das Amt setzt einen Vormund ein – meistens aus der nahen Verwandtschaft. Und dieser Vormund darf das Versicherungsgeld verwalten. Das Problem daran ist, dass der Wunsch des verstorbenen Elternteils meist unberücksichtigt bleibt. Versicherte sollten daher zu Lebzeiten handschriftlich eine Sorgerechtsverfügung aufsetzen – in Absprache mit dem gewünschten Vormund. Diese Kombination aus Sorgerechtsverfügung und Risikolebensversicherung bildet die erste finanzielle und ideelle Basis für die Versorgung des Kindes im Fall des eigenen Todes.

Die Spanne der Versicherungssummen ist groß. Sie reicht von 50.000 bis über 500.000 Euro. Wie finden Alleinerziehende passende Versicherungssumme und Laufzeit?

Cornelia Trentzsch: Laufzeiten variieren zwischen drei und 45 Jahren. Der Vertrag sollte laufen, bis das Ausbildungs- oder Studienende erreicht ist. Und die Kinder finanziell auf eigenen Füßen stehen können – also in der Regel bis zum 25. Lebensjahr. Sparen Sie hier nicht am falschen Ende: Wählen Sie als junger Mensch eine kurze Vertragslaufzeit – mit der Option, später zu verlängern. Denn sonst zahlen Sie als älterer Versicherungsnehmer einen höheren Beitrag.

Etwas komplizierter ist die Wahl der Versicherungssumme. Sie ist unter anderem abhängig von laufenden Krediten und anderen Werten – etwa wenn Sie eine Wohnung besitzen. Ein Rechenbeispiel: Eine mit drei Prozent verzinste Versicherungssumme in Höhe von 200.000 Euro erzeugt Zinseinkünfte von rund 500 Euro im Monat. Gehen 1000 Euro als monatliche Dauerrente an das Kind, reicht die Versicherungssumme für etwa 22 Jahre. Doch Achtung: Sie müssen bei der Kalkulation die Möglichkeit einer zu entrichtenden Steuer miteinbeziehen. Der Freibetrag pro Kind liegt aktuell bei 400.000 Euro. Sind noch Immobilien vorhanden, gilt es zudem erbwirtschaftliche Freibeträge zu berücksichtigen.

Ich möchte eine Risikolebensversicherung abschließen. Welche Beitragskosten kommen auf mich zu?

Cornelia Trentzsch: Das lässt sich nicht pauschal beantworten. Beiträge variieren stark – je nach Alter und Gesundheitszustand des Versicherten sowie Versicherungssumme und Laufzeit. Ein 35-jähriger Nichtraucher ohne gefährliche Hobbies und einem Bürojob zahlt bei einer Versicherungssumme von 250.000 Euro und einer Laufzeit von 25 Jahren im günstigsten Fall einen Jahresbeitrag von rund 200 Euro. Raucht er hingegen und übt einen gefährlicheren Beruf aus – etwa als Gerüstbauer – steigt der Beitrag schnell auf rund 500 Euro. Und es gibt weitere Risikozuschläge, unter anderem für hohen Blutdruck, starkes Übergewicht und hohe Blutfettwerte. In jedem Fall gilt: Ein gesunder Lebensstil zahlt sich bei einer Risikolebensversicherung aus.

Auf dem Markt tummelt sich eine unüberschaubare Anzahl von Anbietern. Gibt es schwarze Schafe? Falls ja, wie erkenne ich sie?

Cornelia Trentzsch: Schwarze Schafe sind bei Risikolebensversicherern eher selten anzutreffen. Dafür sind die Kontrollrichtlinien der Europäischen Union (EU) zu streng. Bei der Wahl Ihres Versicherers sind Sie aber in der Regel gut daran beraten, sich an großen Gesellschaften zu orientieren. Denn kleine Online-Anbieter sind zwar oftmals sehr günstig, laufen aber beispielsweise Gefahr, durch die Reform des Versicherungsaufsichtsrechts in Europa (Solvency II) in den nächsten Jahren vom Markt zu verschwinden.

Auch wenn die EU-Versicherungswirtschaft mit dem Versicherungsrettungsschirm “Protektor” in diesem Fall einen Totalverlust vermeiden, sollten Sie sich lieber an ein großes Unternehmen wenden. Vergleichen Sie auch die Gesundheitsfragen, um den passenden Versicherer zu finden. Hier gibt es deutliche Unterschiede. Die Bedingungswerke hingegen sind überwiegend identisch.

Versicherer fordern einen Gesundheitscheck vor Vertragsbeginn. Wie weit geht diese Prüfung? Was muss ich offenlegen?

Cornelia Trentzsch: Das ist abhängig von der Versicherungssumme. Bei jungen Versicherungsnehmern und Summen unter 250.000 Euro reicht es in der Regel, die Gesundheitsfragen im Antrag zu beantworten. Erst bei Versicherungssummen ab 250.000 bis 300.000 Euro oder einem Alter über 40 verlangen Versicherer vor Vertragsbeginn eine ärztliche Untersuchung. Für konkrete Gesundheitsfragen müssen Sie Ihren Arzt von seiner Schweigepflicht entbinden. Doch achten Sie auf die Art, wie die Versicherer Fragen stellen – etwa auf eine zeitliche Eingrenzung und begriffliche abgeschlossene Fragen. Ein Bespiel: „Hatten Sie in den letzten Jahren die Beschwerden/Krankheit A, B oder C“ ist zeitlich und begrifflich abgeschlossen und somit konkret. „Hatten Sie jemals etwas wie beispielsweise A, B oder C“ lässt dem Versicherer hingegen rechtliche Hintertüren offenstehen. Schließen Sie diese Hintertüren lieber direkt und wählen Sie einen anderen Versicherer.

Mein Gesundheitszustand ist schlecht. Habe ich Chancen auf eine Risikolebensversicherung zu finanzierbaren Konditionen? Kann ich den Check irgendwie umgehen?

Cornelia Trentzsch: Stellen Sie am besten bei verschiedenen Anbietern gleichzeitig Voranfragen. Doch egal, für wen Sie sich entscheiden: Wenn es zur Beantwortung der Gesundheitsfragen im Antrag geht, lassen Sie sich niemals zu Unehrlichkeit hinreißen. Wenn Sie Raucher sind, verschweigen Sie diese Tatsache nicht. Ansonsten passiert es schlimmstenfalls, dass die Versicherung die Auszahlung der Versicherungssumme verweigert. Und Ihre Kinder im Fall Ihres Todes leer ausgehen. Sind Sie sich im Umgang mit den Angaben zu Ihrem Gesundheitszustand unsicher, ist es ratsam, sich an ein kompetentes unabhängiges Versicherungsmaklerhaus zu wenden. Sie erhalten dort Unterstützung, den richtigen Tarif zu finden.

Gibt es Erkrankungen und Risiken, bei denen ich gar nicht erst auf eine Risikolebensversicherung hoffen kann?

Cornelia Trentzsch: Leider ja. Bei einer gerade ausgeheilten schweren Erkrankung oder bei einer laufenden oder erst frisch abgeschlossenen Psychotherapie wegen einer Angsterkrankung, Psychose oder Depression ist der Abschluss einer Risikolebensversicherung schier unmöglich. Beim Thema psychische Erkrankungen sichern sich viele Versicherungen noch zusätzlich ab: Sie zahlen die Versicherungssumme beispielsweise nicht aus, wenn der Versicherte in den ersten drei Jahren der Laufzeit Selbstmord begeht.

Mit einer hohen Wahrscheinlichkeit auf Ablehnung müssen auch Menschen rechnen, die schon einmal Krebs oder Anämie hatten oder unter Rheuma, Arthrose oder Epilepsie leiden. Wer hingegen an Stoffwechselerkrankungen, starkem Übergewicht, Blutfetterhöhung, Asthma oder Diabetes leidet, muss im Fall einer Annahme mit teilweise massiven Risikozuschlägen rechnen. Bei einer Ablehnung ist es übrigens wahrscheinlich, dass auch andere Versicherer keinen Zuschlag geben. Denn die Unternehmen tauschen Ablehnungen in einer sogenannten Risikowagnisdatei aus.

Was mache ich, wenn mich die Versicherung wegen meines schlechten Gesundheitszustandes ablehnt? Welche Alternativen habe ich zu einer Risikolebensversicherung?

Cornelia Trentzsch: Es gibt Alternativen – etwa eine Unfallversicherung mit einer sogenannten Todesfallleistung. Sie sichert Kinder finanziell ab, sofern der Elternteil innerhalb einer festgelegten Frist unfallbedingt stirbt – meist 12 Monate nach dem Unfall. Stirbt der Versicherte hingegen nicht an einem Unfall, sondern an einem Herzinfarkt, stehen die Kinder ohne finanzielle Absicherung dar. Auch wenn einige Gesellschaften den Unfallbegriff schon auf einige Tumorerkrankungen erweitert haben, ist die Unfallversicherung mit Todesfallleistung keine vollwertige Alternative zur Risikolebensversicherung. Sie ist zudem meist deutlich teurer und in einigen Fällen ebenso an die Beantwortung von Gesundheitsfragen gekoppelt.

Ich habe den Vertrag als Berufstätiger geschlossen, und plötzlich lebe ich von Hartz IV. Was bedeutet das für meine Risikolebensversicherung, wenn ich den Beitrag nicht mehr zahlen kann?

Cornelia Trentzsch: Versicherte müssen die Beiträge für ihre Risikolebensversicherung laufend zahlen. Bei ausbleibender Zahlung ohne Begründung erlischt der Vertrag in den meisten Fällen. Es gibt allerdings Anbieter, die eine vorübergehende Beitragsbefreiung bei Arbeitslosigkeit oder Krankheit anbieten. Gegebenenfalls ist es auch möglich, die Versicherungssumme und somit die Beiträge für einige Zeit zu reduzieren.

Doch bedenken Sie: Wenn Sie wieder einen Beruf haben, und die Summe erhöhen möchten, verlangen die Versicherer meist eine erneute Beantwortung der Gesundheitsfragen oder eine weitere ärztliche Untersuchung. Sind Sie zwischenzeitlich Raucher geworden oder haben Sie beispielsweise mit Diabetes zu kämpfen, steigen Ihre Beiträge entsprechend. Alternativ kündigen Sie die Risikolebensversicherung und erhalten den Rückkaufwert zurück, der vertraglich festgelegt ist. Doch bedenken Sie dabei, dass Versicherer bis zur Hälfte der eingezahlten Sparbeiträge plus Zinsen behalten dürfen. Das hat der Bundesgerichtshof festgelegt.

Kann ich verhindern, dass mein Geld nach Ablauf der Vertragszeit verloren ist?

Cornelia Trentzsch: In der Regel verhalten sich Risikolebensversicherungen ähnlich wie eine Kfz-Versicherung: Sie sind nicht kapitalbildend. Überlebt der Versicherte die Laufzeit, erhält er von den eingezahlten Beiträgen nichts zurück. Das ist bei der sogenannten kapitalbildenden Lebensversicherung anders. Hier zahlen die Versicherer die Versicherungssumme nicht nur im Todesfall an die Kinder aus, sondern auch dann, wenn der Versicherte das Vertragsende erlebt. Die Kostenbeiträge für eine kapitalbildende Lebensversicherung sind allerdings höher. Unter bestimmten Voraussetzungen ist es übrigens möglich, die Risikolebensversicherung in eine kapitalbildende Lebensversicherung als private Altersvorsorge umzuwandeln.

Ich bin selbstständig und alleinerziehend. Was passiert, wenn ich überschuldet bin oder eine Insolvenz anmelden muss?

Cornelia Trentzsch: Einige Versicherer bieten die Möglichkeit einer vorübergehenden Beitragsbefreiung an. Dazu sollten Sie sich ausführlich beraten lassen. Noch wichtiger aber ist, dass Ihr Kind im Fall Ihres Todes keinen Berg Firmenschulden erbt. Das regeln Sie bestenfalls über die Vorsorgevollmacht. Alternativ passen Sie die Todesfallsumme an die noch vorhandene Kreditlast Ihres Unternehmens an.

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